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Sport in der sommerlichen Hitze

Sport bei Hitze – Die Temperaturen beginnen zu steigen, deine Leistung auch?

“Tod nach Ironman”

Diese Schlagzeile ging im Juli 2015 durch die Frankfurter Rundschau und andere Medien. Ein Brite war drei Tage nach dem Ironman in Frankfurt an den Folgen eines Natriummangels verstorben.
Ausgelöst wird eine mangelnde Salzversorgung, wenn während großer körperlicher Belastungen oder Sport bei Hitze hauptsächlich auf reines Leitungswasser für die Flüssigkeitsaufnahme zurückgegriffen wird.
Doch beginnen wir mit Grundsätzen der menschlichen Thermoregulation. Bei hohen thermischen Belastungen, wie es im Jahrhundertsommer 2015 der Fall war, muss der Körper auf einige Mechanismen setzen, um eine Körperkerntemperatur von etwa 37 °C halten zu können und so drohenden Hyperthermien vorzubeugen. Für diese Regulation ist der Hypothalamus als Regler im Zwischenhirn zuständig. Wenn beim Sport und hohen Umgebungstemperaturen nicht ausreichend Wärme über Konduktion (Wärmeleitung durch direkten Körperkontakt), Konvektion (Luftbewegung oder Verteilen der Wärme durch das Blut) und durch die Wärmeabgabe abgegeben werden kann, nutzt der Körper die Evaporation.

Die Evaporation um der Hitze entgegen zu wirken

Hinter der Evaporation verbirgt sich die Wärmeabgabe durch Schweißbildung. Der Schweiß verdunstet an der Körperoberfläche. Auf diese Weise geht Wärme an die Umgebung über und der Körper wird gekühlt. Dies funktioniert jedoch nur bei trockenen Umgebungstemperaturen. Ist das Klima heiß und feucht und somit die Luft bereits an Feuchtigkeit gesättigt, kann der menschliche Organismus kaum bzw. keine Wärme über das Verdunsten von Schweiß loswerden. Bei solchen externen Faktoren droht vor allem Menschen, die nicht an solche Bedingungen adaptiert sind, eine Hyperthermie (Überhitzung). Die Schweißmenge, die der Körper bei hohen thermischen Belastungen abgeben kann variiert je nach Trainingszustand. So geben Untrainierte kurzfristig bis zu 2 Liter Schweiß pro Stunde verlieren, hitzeakklimatisierte bzw. Trainierte sogar bis zu 4 l/h. Darüber hinaus unterscheidet sich auch die Schweißzusammensetzung. Trainierte Menschen verlieren beim Sport in der Hitze nicht so viele wichtige Elektrolyte beim Schwitzen.

Elektrolytmangel durch Sport bei Hitze

Dies ist bei oben erwähntem Ironman-Teilnehmer geschehen: durch das vermutlich sehr starke Schwitzen des Sportlers kam es zu einem hohen Salz- bzw. Elektrolytmangel. Dieser griff dann allerdings nicht auf Getränke zurück, die diesen Mangel verlangsamt oder neutralisiert hätten, wie gängige Sportlergetränke, die bei Sportveranstaltungen in regelmäßigen Abständen neben der Strecke zur Verfügung gestellt werden. Nein, der Athlet bediente sich wohl hauptsächlich beim Leitungswasser. Dadurch kam es zu einem Elektrolytmangel bedingt durch den hohen Schweißverlust in der Hitze. Ein solcher Salzmangel in Verbindung mit der Aufnahme von reinem Leitungswasser führt zu einer „Wasservergiftung“ (Hyperhydratation).
Dadurch kommt es zu einer Hirnschwellung. Auch Hirnödem genannt. Dies ist eine Wasseransammlung, die aufgrund der Störung des Wasser-Elektrolyt-Haushaltes des Gehirns erfolgt. Da der knöcherne Schädel das Gehirn umgibt, hat dieses bei einer solchen Schwellung kaum Möglichkeiten sich auszubreiten wodurch der Hirndruck stark ansteigen kann. Somit stellt eine Gehirnschwellung eine sehr ernstzunehmende Erkrankung dar, die umgehend behandelt werden muss.

Vorbereitungen auf Sport bei Hitze

Um einer solch schwerwiegenden Hirnschwellung vorzubeugen ist es unerlässlich – wie oben bereits erwähnt – bei starkem Flüssigkeitsverlust während Sport bei Hitze genügend Natrium während der Belastung zu sich zu nehmen. Das kann in Form von Getränken sein oder aber auch durch Salzstangen etc., die oftmals an Verpflegungsständen angeboten werden.
Auch während der Vorbereitungsphase sollte bereits auf eine Balance im Elektrolythaushalt geachtet werden.
Des Weiteren kann sich der Organismus auf hohe thermische Belastungen sei es nun im Wettkampf oder bereits während des Trainings vorbereiten und adaptieren. Hierzu eignen sich Trainingslager mit ähnlichen klimatischen Bedingungen wie sie zum Beispiel am Wettkampftag gegeben sein werden. So ergab eine Studie (Int J Sports Med 2014; 35: 147-152) in Guadeloupe zum Beispiel, dass gut trainierte und akklimatisierte Sportler einen anstrengenden Traillauf von 17 km in tropischer Umgebung ohne Dehydrierung absolvieren konnten. Die Flüssigkeitsaufnahme erfolgte ad libitum (nach Belieben). Ein weiteres Ergebnis war, dass je besser das Ergebnis desto höher die Körperkerntemperatur und der Flüssigkeitsverlust.
Ein weiterer Aspekt auf den während des eigenen Trainings geachtet werden kann ist, die Tageszeit des zu der man das eigene Training durchführen möchte. So ist frühmorgens die Hitzebelastung noch nicht so hoch und auch die Ozonwerte sind für die Lunge besser verträglich als in den Abendstunden.

Wettkämpfe bei sommerlicher Hitze

Bei einem Start an Wettkämpfen, die im Sommer bei sehr hohen Temperaturen stattfinden, an die man aus dem Training nicht gewöhnt ist, sollte ein jeder für sich abwägen, ob er bereit ist zu starten und ob man bei einem Start tatsächlich „alles gibt“ und sich verausgabt.
Immer öfter ist mittlerweile auch die Rede von Kälteapplikationen vor und während des Wettkampfes. In einer Studie fanden Schmidt und Brück heraus, dass bei vorangegangener Kälteapplikation die Schweißproduktion deutlich geringer war, was auf einen geringeren thermoregulatorischen Effekt zurückzuführen ist.

Teilweise wird gar geraten, das Aufwärmen ganz sein zu lassen und durch Pre- oder Simultancooling (während der Belastung) die Körperkerntemperatur in Schach zu halten und eventuelle Leistungseinbußen durch eine hohe Körpertemperatur hinauszuzögern oder gar zu verhindern. Cooling kann also eine leistungsmobilisierende Maßnahme sein, solange die Anwendung differenziert, auf die jeweilige Disziplin, den Trainingszustand und die Umgebungstemperaturen abgestimmt wird.

2018-08-17T00:10:15+00:00By |Categories: Fitness, Mobile Gesundheit, Temperatur|0 Comments

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