„Wir haben eine zuverlässige Überwachung der Vitalfunktionen für extreme Umgebungen gefunden.“

Die medizinische Versorgung in den Bergen stellt aufgrund des schwierigen Geländes und der extremen Wetterbedingungen eine Reihe von Herausforderungen dar. Rettungskräfte müssen daher mit mehreren Schwierigkeiten fertig werden. Regelmäßige und spezialisierte Schulungen in der Bergrettung sind für eine erfolgreiche Rettung ebenso unerlässlich wie die richtige Ausrüstung zur Überwachung der Patient:innen. Wir haben mit Marta Baggiani, Anästhesistin und Intensivmedizinerin, und Marcello Mora, Rettungssanitäter und Bergrettungstechniker, über diese Herausforderungen gesprochen. Beide verfügen über umfangreiche Erfahrung in der Bergrettung und leisteten beim diesjährigen Monte Rosa SkyMarathon medizinische Hilfe für die Teilnehmer. Dort hatten sie Gelegenheit, die Patientenüberwachungstechnologie von cosinuss° einzusetzen. Im Interview berichten sie von ihren Erfahrungen mit der neuen Technologie und erklären, warum sich der Sensor besonders gut für den Einsatz in diesem anspruchsvollen Gelände eignet – nicht nur bei extremen Sportveranstaltungen.

Über die Interviewpartner:
Marta Baggiani arbeitet derzeit als Anästhesistin und Intensivmedizinerin in der Neurointensivstation in Monza, Italien. Sie hat sich im Rahmen eines interuniversitären Diplomstudiengangs an der Universität Grenoble auf Bergnotfallmedizin spezialisiert und ist jedes Jahr als Skirettungsärztin bei Monterosa Ski tätig, wo sie ihren medizinischen Beruf mit ihrer Leidenschaft für die Berge verbindet.
Marcello Mora ist Rettungssanitäter beim Rettungsdienst in der Schweiz. Er ist in Italien geboren und aufgewachsen, wo er derzeit als Bergretter und Mitglied des Corpo Nazionale Soccorso Alpino e Speleologico (CNSAS) tätig ist. Außerdem ist er auf Canyoning-Rettung spezialisiert, Canyoning-Ausbilder und Wildwasser-Rettungstechniker bei RESCUE3 Europe.
Sie haben unter anderem in diesem Jahr beim Monte Rosa SkyMarathon medizinische Unterstützung geleistet. Welche Aufgaben hatten Sie bei diesem extremen Sportereignis?
Marcello Mora: Beim Monte Rosa SkyMarathon teilte sich meine Arbeit grundsätzlich in zwei Phasen. Die erste Phase war die Vorbereitung: Ich habe zusammen mit dem Rennleiter, der Bergführer ist und für die technische Rettung verantwortlich ist, die medizinische Rettungsstrategie organisiert. Dazu gehörte auch die Planung der Ausrüstung sowie die Positionierung des medizinischen Personals entlang der Strecke und an den Rettungsstationen.
Die zweite Phase spielte sich während des Rennens ab. Ich war für die Rettungsstation am Colle del Lys auf 4.150 Metern Höhe zuständig – der letzten medizinischen Rettungsstelle vor dem Gipfel. Ich habe den Vorteil, sowohl Rettungssanitäter als auch Bergrettungstechniker zu sein. Dadurch kann ich medizinische und technische Dienste effektiver koordinieren, weil ich die Bedürfnisse beider Seiten kenne und versuche, sie so gut wie möglich zusammenzuführen.
Marta Baggiani: Meine Rolle war die medizinische Rettung. Ich war eine der Ärztinnen, die während des Wettbewerbs im Einsatz waren. Entlang der Rennstrecke gab es mehrere medizinische Punkte, die mit Ärzt:innen, Sanitäter:innen oder Pflegekräften besetzt waren. Dieses Jahr war ich als Ärztin im Hubschrauber tätig und verantwortlich für die schnelle Evakuierung von Personen, die dringend gerettet werden mussten. Ich habe mich also bewegt und überall dort geholfen, wo ich gebraucht wurde. Marcello hat alle medizinischen Punkte organisiert, und wir standen ständig in Kontakt, um sicherzustellen, dass Hilfe genau dorthin geschickt wurde, wo sie erforderlich war. Das war meine spezifische Rolle. Ich denke, gute Zusammenarbeit und Kommunikation sind in solchen Situationen wirklich entscheidend.
In welcher Weise stellen die extreme Höhe und das anspruchsvolle Gelände des Monte Rosa SkyMarathon Herausforderungen für Athlet:innen und medizinische Teams dar?
Marta Baggiani: Der Monte Rosa SkyMarathon ist wirklich einzigartig, weil er Höhe, extremes Wetter und sehr technisches Gelände kombiniert. Für die Athlet:innen bedeutet das, dass sie nicht nur Müdigkeit und Sauerstoffmangel ausgesetzt sind, sondern auch einer der größten Gefahren am Berg: Unterkühlung. Selbst im Sommer kann das Wetter innerhalb von Minuten umschlagen.
Wenn Athlet:innen erschöpft sind, verlieren sie einen Großteil ihrer Fähigkeit, die Körpertemperatur zu regulieren, was das Risiko erhöht. Für uns als medizinische Teams besteht die größte Herausforderung in der Evakuierung. Wegen des Geländes und des Wetters sind Evakuierungen oft kompliziert und häufig verzögert. Deshalb müssen wir bereit sein, Athlet:innen vor Ort zu stabilisieren und sie sicher zu halten, bis eine Evakuierung möglich wird. Ich glaube, das ist eine der Hauptaufgaben beim Monte Rosa SkyMarathon.
Müssen medizinische Einsatzkräfte vor einem solchen Extremsport-Event eine spezielle Ausbildung absolvieren?
Marta Baggiani: Ja, ich denke, man muss sich auf jeden Fall vorbereiten. Einerseits muss man körperlich trainieren – indem man in die Berge geht, nicht nur zum Vergnügen, sondern auch, um auf die gleichen Wetterbedingungen vorbereitet zu sein wie die Athlet:innen. Andererseits muss man spezifisch für die Arbeit in diesem Gelände trainieren. Wir besuchen Kurse, um unsere Fähigkeiten für Einsätze in solchen Bedingungen und im Team aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Das ist völlig anders als die Arbeit im Krankenhaus oder selbst in anderen außerklinischen Umgebungen. Die Berge sind sehr besonders.
Ich persönlich habe einen speziellen Kurs – eigentlich einen Masterstudiengang in Frankreich – absolviert, der für Ärztinnen und Ärzte gedacht ist, die in Bergumgebungen arbeiten möchten. Er vermittelt Wissen darüber, wie man im Team arbeitet und wie man Patient:innen in solch anspruchsvollem Gelände behandelt.
Natürlich sind nicht alle Berge gleich. Der Monte Rosa zum Beispiel umfasst einen Gletscher, was völlig anders ist als die Arbeit in Flussgebieten oder anderen Geländetypen. Man muss sich wirklich auf jede Umgebung vorbereiten, in der man möglicherweise arbeiten wird.
Marcello Mora: Auch Rettungskräfte und medizinische Teams selbst sind in dieser Umgebung von Müdigkeit und Erschöpfung betroffen – nicht nur die Patient:innen. Wir sind auch nur Menschen und unterliegen Höhe und Sauerstoffmangel. Das macht Rettungen viel schwieriger, weil wir manchmal Entscheidungen nicht so klar treffen können wie in anderen Umgebungen.
Wie bereitet man sich auf Situationen mit so vielen Teilnehmer:innen vor, wie beim Monte Rosa SkyMarathon?
Marcello Mora: Der Monte Rosa SkyMarathon ist ein ziemlich großes Ereignis, wenn man bedenkt, dass es in besonders schwierigem Gelände stattfindet. Wir hatten mindestens 150 Paare von Athlet:innen, da der Lauf in Zweierteams bestritten wird. Das bedeutet etwa 300 Athlet:innen auf dem Gletscher. Und dieses Jahr wurde zusätzlich ein weiterer Wettkampf eingeführt, der Monte Rosa SkyMarathon Summit, ein Vertikallauf mit 3.000 Höhenmetern, mit mehr als 100 Teilnehmer:innen.
Wie schon erwähnt, ist die Vorbereitung für solche Events entscheidend und beginnt Monate im Voraus. Wir stellen seit mehreren Jahren die Rettungsdienste für dieses Rennen, daher ist unsere Strategie gut etabliert. Trotzdem hat jede Ausgabe ihre eigenen Besonderheiten – abhängig von Strecke, Wetter und Teilnehmerzahl.
Wir haben drei Rettungsstationen entlang der Strecke eingerichtet. Die beiden höchsten befanden sich auf dem Gletscher. Es waren mobile Strukturen, die wenige Tage vor dem Rennen per Hubschrauber an ihren Standort gebracht und mit allem ausgestattet wurden, was für nahezu jede medizinische Notlage notwendig sein könnte. Bergrettungsärzt:innen, Pflegekräfte und Techniker:innen waren ebenfalls entlang der Strecke positioniert, um überall auf dem fast 20 Kilometer langen Kurs schnelle Hilfe leisten zu können.
Die Evakuierung musste natürlich per Hubschrauber erfolgen. Zusätzlich zum offiziellen Rettungsdienst-Hubschrauber gab es auch einen privaten Hubschrauber mit einem Notarzt an Bord, der ausschließlich dem Rennen gewidmet war. Mit zwei Hubschraubern konnten wir Patient:innen praktisch von jedem Punkt der Strecke erreichen und evakuieren.
Was sind die häufigsten medizinischen Probleme bei Veranstaltungen wie dem Monte Rosa SkyMarathon, und wie gehen Sie damit um?
Marta Baggiani: Wie bereits erwähnt, sind Erschöpfung und Unterkühlung große Themen. Aber es gibt noch andere Probleme. Höhenkrankheit kann zum Beispiel nicht nur die Athlet:innen betreffen, sondern auch Mitarbeiter:innen des Events. Dann gibt es Verletzungen durch Stürze, die ziemlich häufig sind, weil das Gelände sehr anspruchsvoll ist. Das Team tut sein Bestes, um die Strecke so sicher wie möglich zu machen, aber wir sind auf einem Gletscher – es gibt keine echten Wege – also kann man ausrutschen oder stürzen.
Das wahrscheinlich gefährlichste Problem, weil es sich schnell entwickelt, ist die Unterkühlung. Medizinisch gesehen ist sie nicht unbedingt schwer zu behandeln – wir erkennen sie (was in diesem Gelände nicht immer einfach ist), wärmen die Athlet:innen, isolieren sie, geben warme Flüssigkeiten, wenn möglich, und überwachen sie engmaschig. Die eigentliche Herausforderung ist die Evakuierung. Wegen Gelände und Wetter kann das sehr lange dauern. Selbst mit Hubschraubern können wir manchmal nicht zum Patienten gelangen – etwa bei starkem Wind oder schlechtem Wetter. Dann müssen wir andere Wege finden, was Stunden dauern kann. Wir brauchen also nicht nur einen Plan A, sondern auch Pläne B, C, D und so weiter. Das macht die Bergrettung so herausfordernd – aber für uns auch so interessant.
Marcello Mora: Ja, ich erinnere mich zum Beispiel an eine Evakuierung, bei der die letzten Teilnehmer zwei Stunden nach allen anderen ankamen. Das Wetter war furchtbar – es schneite, und ein Athlet war völlig durchgefroren. Wir konnten den Hubschrauber nicht einsetzen, also mussten wir mit ihm abfahren und dann weiter zu Fuß gehen, um ihn an einen Ort zu bringen, an dem eine Evakuierung möglich war. Das war nicht einfach – und sicher nicht angenehm – aber es zeigt die Realität der Rettung unter solchen Bedingungen.
Medizinische Versorgung beim Monte Rosa SkyMarathon 2025 (Fotonachweis: Marcello Mora)
Wie haben Sie erstmals vom cosinuss°-Monitoring-System erfahren, und was war ausschlaggebend dafür, die Technologie beim Monte Rosa SkyMarathon zu testen?
Marcello Mora: Marta und ich haben cosinuss° erstmals im März auf einer medizinischen Konferenz in Italien kennengelernt, die sich auf Rettung in schwierigen Umgebungen konzentrierte. Dort trafen wir das cosinuss°-Team und ihre Sensoren. Was uns sofort überzeugte, war die Möglichkeit, genaue Vitalparameter zu erhalten, die kaum durch Umweltbedingungen beeinflusst werden. In Rettungssituationen haben wir oft erlebt, dass Finger-Pulsoximeter in der Kälte völlig unzuverlässig sind, wegen niedriger Temperaturen und durchblutungsbedingter Vasokonstriktion in den Extremitäten. Selbst Thermometer – besonders klassische Infrarotgeräte – können ungenau sein, weil sie stark von der Umgebungstemperatur beeinflusst werden.
Wie bereits erwähnt, ist die größte Herausforderung immer die Umgebung. In der Höhenrettung – sei es beim Monte Rosa SkyMarathon oder anderen Einsätzen – sind Höhe und Wetterbedingungen zentrale Faktoren, die wir stets berücksichtigen müssen.
In der Vergangenheit bedeutete das oft, dass wir Patient:innen nicht zuverlässig überwachen konnten, weil wir schlicht keine Sensoren hatten, die für eine solche Umgebung geeignet waren. Mit cosinuss° haben wir eine Lösung gefunden: ein Gerät, das zuverlässige Vitalparameter liefert – unabhängig von Kälte, Wind oder Höhe. Das ist ein riesiger Vorteil für uns. Außerdem konnten wir den Sensor vorab unter ruhigen und warmen Bedingungen testen – sogar während wir kauten, sprachen oder uns bewegten – und er funktionierte dennoch zuverlässig genug. Für uns ist diese Technologie daher ein großer Gewinn.
Welche Vorteile bietet cosinuss° aus Ihrer Sicht für die medizinische Versorgung bei Sportveranstaltungen?
Marta Baggiani: Wir haben die Vorteile des cosinuss°-Monitorings klar gesehen, weshalb wir beschlossen haben, es in einer realen Umgebung zu testen. Wahrscheinlich ist der wichtigste Aspekt – wie Marcello schon sagte –, dass das Gerät sehr klein, nicht invasiv und einfach anzulegen ist. Das bedeutet, dass nicht nur Ärzt:innen es nutzen können, sondern auch Freiwillige, was sehr hilfreich ist, wenn das medizinische Team anderweitig beschäftigt ist. Es ist auch in schwierigen Bedingungen leicht anzulegen. Man muss bedenken, dass unsere Patient:innen auf dem Gletscher immer eingepackt sind und wir sie nicht vollständig entkleiden können, wie wir es im Krankenhaus tun würden. Deshalb ist Echtzeit-Monitoring so wertvoll: In den Bergen ist es viel schwieriger, Veränderungen im Zustand eines Patienten nur durch Beobachtung zu erkennen.
Ein weiterer großer Vorteil ist, dass das System kabellos ist. Es behindert die Athlet:innen während der Evakuierung nicht. Wir legen den Sensor einfach an, und dann können wir den Patienten oder die Patientin auf einem Smartphone oder Tablet während des Transports überwachen. Das ermöglicht es uns, kontinuierliche Echtzeitdaten zu haben, Probleme frühzeitig zu erkennen und einzugreifen, bevor eine Situation kritisch wird. Und ich denke, das ist für medizinisches Personal in solchen Umgebungen entscheidend.
Wie haben Sie die cosinuss°-Technologie beim Monte Rosa SkyMarathon eingesetzt, und wie hat sie Ihnen bei der Betreuung der Athlet:innen geholfen?
Marcello Mora: Bei der letzten Ausgabe des Monte Rosa SkyMarathon hatten wir glücklicherweise keine schweren Notfälle. Trotzdem mussten wir mehreren Athlet:innen helfen, die unter Erschöpfung, Unterkühlung, kältebedingten Verletzungen und kleineren Traumata litten. Bei jedem geretteten Athleten – auch in weniger schweren Fällen – haben wir einen cosinuss°-Sensor im Gehörgang angebracht. Das gab uns die Möglichkeit, mit dem Gerät zu üben und gleichzeitig zuverlässige Vitalparameter zu erhalten, was in dieser Umgebung normalerweise sehr schwierig ist.
In großer Höhe ist es physiologisch normal, niedrigere Sauerstoffsättigungswerte zu sehen. Was mich am cosinuss°-Sensor beeindruckt hat, war, dass die Werte durchgängig zuverlässig waren – mit klarer Pulskurve, korrektem Perfusionsindex und kontinuierlichem Qualitätsindex. Normalerweise muss ich, wenn ich eine Sauerstoffsättigung von 75 % sehe, überlegen: Ist das ein echter Wert, oder ist er durch Vasokonstriktion, Kälte oder andere Umweltfaktoren verfälscht? Mit diesem Sensor kann ich den Daten vertrauen und weiß, dass die Vitalparameter jederzeit zuverlässig sind. Das ist für uns extrem wichtig.
Marta Baggiani: Eine weitere interessante Beobachtung betraf die neuen Rettungsstationen – die mobilen Hütten, die per Hubschrauber auf den Gletscher gebracht werden. Dieses Jahr waren es geschlossene Strukturen mit Türen, was sie viel wärmer machte als in den Jahren zuvor. Sie erwiesen sich als hervorragend geeignet, um unterkühlte Patient:innen wieder aufzuwärmen. Wenn wir den cosinuss°-Sensor anlegten und den Patienten oder die Patientin dann eine Weile in der Hütte ließen, konnten wir in Echtzeit sehen, wie seine oder ihre Temperatur anstieg. Das war sehr beruhigend für uns. Es zeigte uns nicht nur, dass die Hütten wirksam waren, sondern auch, dass der Sensor bestätigte, dass unsere Behandlung funktionierte. Diese Kombination war wirklich wertvoll.
Haben Sie den Sensor auch in anderen Szenarien als Sportevents eingesetzt? Falls ja, wo und welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Marcello Mora: Ja, ich hatte die Gelegenheit, den cosinuss°-Sensor bei einem echten Rettungseinsatz diesen Sommer in einer Wasserschlucht einzusetzen. Ein Canyoneer hatte sich bei einem Sprung den Unterschenkel schwer gebrochen. Wir führten die medizinische Erstversorgung direkt in der Schlucht durch, brachten den Patienten zunächst an einen sicheren und trockenen Ort, stabilisierten die Fraktur und verabreichten Schmerzmittel, bevor wir mit der Evakuierung begannen. Später, als ein zweites Team eintraf, wurde der Patient vertikal aus der Schlucht gezogen und in den Wald gebracht, wo er schließlich per Hubschrauber evakuiert wurde. Die gesamte Rettung dauerte rund drei Stunden. Ab dem Moment, in dem der Patient stabilisiert war, legte ich den cosinuss°-Sensor an und konnte durchgehend seine Vitalparameter auf meinem Handy aufzeichnen – selbst als der Patient in einer wasserdichten Trage gesichert war. Der Sensor erwies sich als essenziell: Die Wassertemperatur betrug nur 7–8 °C, die Extremitäten des Patienten waren völlig kalt und bläulich. Kein Finger-Pulsoximeter hätte in dieser Situation zuverlässige Werte geliefert. Auch Infrarotthermometer funktionieren schlecht, besonders wenn der Patient Wasser im Gehörgang hat. Mit cosinuss° konnte ich jedoch während der gesamten Rettung zuverlässige Vitalparameter und präzise Temperaturwerte erhalten.
Marta Baggiani: Genau hier zeigt der cosinuss°-Sensor seinen Wert. Bei schwierigen Rettungen, etwa beim Canyoning, ist es selbst mit einem konventionellen Monitor meist unmöglich, diesen am Patienten oder an der Patientin zu lassen – er ist zu schwer, kann verloren gehen oder man kann während der Evakuierung einfach nicht auf ihn schauen. Mit cosinuss° besteht dieses Problem nicht, weil man den Patienten oder die Patientin stets über das Smartphone überwachen kann.
Ich habe den Sensor auch während einer langen Übung auf einem Gletscher getestet. Das Szenario simulierte die Rettung zweier Opfer in 3.000 bis 3.600 Metern Höhe, und der gesamte Einsatz dauerte etwa fünf Stunden. Ich legte den Sensor beiden „Opfern“ an, und der Akku hielt problemlos bis zum Ende durch. Auch wenn es nur eine Übung war und die Patient:innen nicht wirklich krank waren, konnten wir dennoch Parameter wie die Körpertemperatur beobachten – was in einer Gletscherumgebung sehr wichtig ist, wo das Risiko einer Unterkühlung immer besteht. Besonders geschätzt habe ich, dass ich während der gesamten Übung kontinuierlich Echtzeitdaten hatte. Ich dachte oft: Wenn das echte Patient:innen wären, wären diese Informationen unglaublich wertvoll, um ihre Sicherheit während der gesamten Rettung zu gewährleisten.
Wie sehen Sie die zukünftige Rolle der cosinuss°-Technologie in Ihrem Arbeitsbereich?
Marta Baggiani: Da der Monte Rosa SkyMarathon jedes Jahr stattfindet, bin ich sicher, dass wir den Sensor dort weiterhin nutzen werden. Ich denke, es ist wichtig, ihn in realen Umgebungen zu testen, denn so können wir Aspekte entdecken, die verbessert werden könnten, oder Situationen, in denen er besonders wertvoll ist.
Auch über die Bergrettung hinaus sehe ich Einsatzmöglichkeiten im Krankenhaus. Zum Beispiel beim Transport von Intensivpatient:innen zu einem CT-Scan wäre es viel einfacher, einen kleinen, kabellosen Monitor zu verwenden, statt den gesamten großen Bettmonitor mitzubewegen. Es könnte also auch im klinischen Bereich nützlich sein, auch wenn wir hier hauptsächlich über außerklinische Szenarien sprechen.
Und weiter gedacht gibt es sehr viele mögliche Anwendungen. Zum Beispiel bei mehrtägigen Wettkämpfen, in denen Athlet:innen über weite, schwer zugängliche Gebiete verteilt sind. Dort wäre es großartig, die Athlet:innen kontinuierlich zu überwachen, um Probleme frühzeitig zu erkennen und einzugreifen, bevor eine Situation kritisch wird.
Ich werde den Sensor außerdem zum Winter Mountain Rescue Course mitnehmen, einem großen Trainingsevent in den Alpen, das jedes Jahr im März stattfindet. Es umfasst vier Tage Simulationen, Vorträge und praktische Übungen, bei denen Berg- und Lawinenrettungskräfte unter realistischen Bedingungen trainieren. Wir simulieren Lawinenverschüttungen, indem wir Schneehöhlen graben, in denen „Patient:innen“ lange Zeit in der Kälte bleiben. Ich denke, es wäre sehr interessant, den cosinuss°-Sensor dort einzusetzen, denn kontinuierliches Monitoring in solchen Szenarien könnte äußerst wertvolle Daten liefern.


